Wie alles begann...

 

Vorweg genommen: Der ganzen Thematik liegt eine Geschichte zugrunde, in die eine Menge Humor hineinspielt. Wie kommt man aber zu diesem Thema, wenn man nicht mit einem der damaligen Protagonisten verwandt ist ? :-)

Ich fasse mich kurz und stelle einige Bilder dazu:

- 02/1993 bis 10/2000: Arbeit an dem studentischen Spielfilm "Schinderhannes". Ziel war, den Film - anders als der Streifen mit Curd Jürgens 1958 - ausschließlich an den zeitgenössischen Ermittlungsakten zu entwickeln. Jede Besetzung, jede Szene sollte so sein, wie sie in den Akten zu lesen war. 1994 bewertete die Hessische Filmförderung das Drehbuch als "förderungswürdig", AStA der Universität Mainz, Studentenwerk, Stadt Mainz und vor allem die Stiftung Kultur für Rheinland-Pfalz trugen mit einer großzügigen Spende zu den Sachkosten des Films bei. Der Aufwand war (dafür, daß niemand eine Gage erhielt) absurd groß: 200 Personen spielten mit, die Kostüme wurden selbstgenäht und ein immenser Aufwand getrieben, um die Szenen 1:1 umzusetzen. Sprengstoffbescheinigungen, Waffen, genagelte Infantrieschuhe anno 1800 oder der Nachbau einer Guillotine stellten eher die kleineren Anforderungen dar. Wie schwierig war es aber, Pferde und Schauspieler jeweils an einen Ort zu einer bestimmten Uhrzeit zu bekommen :-) - und das mehrere Jahre lang am Wochenende. Nach den Dreharbeiten folgten zwei Jahre Schnitt u.a. im Filmstudio DAS WERK von Wim Wenders. Im Oktober 2000 war endlich Uraufführung des 90minütigen Streifens in Königstein/Taunus.

Szenenbilder aus dem Film "Schinderhannes" mit Volker Zill in der Hauptrolle des berüchtigten Räubers

Hauptverhandlung 1803 Schock der Mittäter in der Hauptverhandlung, als Schinderhannes sie bloßstellt.

EinweisungRegieanweisung vom Schafott. Das Filmteam mußte von Soldaten geschützt werden ;-).

Polizeiministerkonferenz Auf der Polizeiministerkonferenz im Januar 1801...

Volker Zill als Schinderhannes...


Das Filmplakat

In der Folgezeit wurde der Film an vielen Orten aufgeführt, dabei wiesen uns Immer mehr Zuschauer auf zeitgenössische Dokumente oder auch Sagen hin. Bald fiel mir auf, daß das gesammelte Material weit mehr umfaßte, als in allen bisherigen Biographien über den Räuber zu finden war.

 

 

 

- Das Jubiläumsjahr 2003 (200ster Todestag des Schinderhannes) brachte zwar viele Veröffentlichungen über den Räuber, aber kaum neue Erkenntnisse. Die zahlreichen historischen Quellen, die wir im Rahmen der Filmarbeit gefunden hatten, blieben nachwievor völlig unberücksichtigt. In diesem Zusammenhang wurde mir eine Fortführung meiner Recherchen im Rahmen einer juristischen Dissertation angeboten.

- Seit 2004: Zusammen mit Christian Pohl Vorträge (mit freiem Eintritt), um von den Zuhörern weitere Hinweise zu bislang unbekannten historischen Quellen über Schinderhannes zu bekommen.

- 2007: Vortrag an der Universität Sao Leopoldo, Rio Grande do Sul (Brasilien) vor den Nachfahren der vor fast 200 Jahren ausgewanderen Hunsrücker und Hessen-Darmstädter und Aufzeichnung der dortigen Schinderhannes-Überlieferungen.

- 2009: Abschluß der Dissertation mit dem Titel "Die Strafjustiz am Rhein 1796-1803 am Beispiel Mainz und Frankfurt/M. unter besonderer Berücksichtigung des Verfahrens gegen den Serienstraftäter Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, 1802/03"..

 

- 2015: Die 6., wieder erweiterte Auflage der Biographie "Schinderhannes. Nichtnutz, Pferdedieb, Räuberhauptmann?" (488 Seiten) erscheint.

 

Da in diesem Rahmen inzwischen fast 3000 Strafakten jener Zeit ausgewertet werden konnten, sich dadurch die Verflechtungen zwischen zahlreichen Kriminellen jener Zeit (unter ihnen eben auch der Schinderhannes) erst herauskristallisiert haben und viele Heimat- und Familienforscher die Arbeit mit ihren eigenen Forschungsergebnissen ergänzen (ganz herzlichen Dank dafür !), werden die Recherchen zu diesem Thema vermutlich so schnelle keine Ende nehmen. Es ist wie ein kriminalistisches Puzzel, das erst nach über 200 Jahren zusammengelegt werden kann.

 

Forschung ist aber nicht nur das Stöbern in alten Akten, es ist auch der Versuch, Geschichte selbst zu erleben, um ein besseres Verständnis für diese Zeit zu bekommen. Wie will man über die Menschen jener Zeit urteilen, wenn man nicht selbst versucht, mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu (über-)leben. Für die unten aufgeführten Touren wurde nur Kleidung und Ausrüstung mitgenommen, die genauso vor 200 Jahren auch dabei gewesen wären. - Abenteuer und lebendige Forschung, was an Ausrüstung sinnvoll, wichtig oder unnötig war.

 

Anbei einige Bilder von der "Expedition" in 2009 (Überquerung der Causse Méjan, Nationalpark Cevennen, Frankreich):

Hauptverhandlung 1803 Hauptverhandlung 1803

Die Causse Méjan bildet ein Hochplateau auf 600 m über NN und ist im Prinzip in der Sommerzeit nicht passierbar wegen der wenigen und ausgetrockneten Wasserquellen.

 

Hier Bilder von der "Expedition" in 2010 , einer Pyrenäen-Überquerung im Jahre 1810 :-)

Hauptverhandlung 1803 Hauptverhandlung 1803 Hauptverhandlung 1803 Der geschichtliche Hintergrund ist die Überquerung der Pyrenäen durch französische und Rheinbund-Truppen im Kampf gegen die heranrückenden Briten. Wir wählten die nur schlecht zugänglichen Paßwege, um spanischen Scharfschützen so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen. Unsere Wahl war gut, allerdings brach eine Wasserkalabasse, so daß wir - teilweise auf dem Hosenboden rutschend - den schnellsten Weg ins nächste Tal und hin zum Wasser nehmen mußten.

Eingestreut ein Pressebericht von 2011.....hier klicken >

Überquerung des Fôret Nore (SW-Frankreich), 26.04. bis 01.05.2012,

-> Einfach auf ein Bild klicken

einschließlich des 1.100 Meter hohen Pic Core im Schnee.

In der Fortsetzung der Route von 2012 nun vom 27.09.-03.10.2015 von Carcassonne bis nach Termes, teilweise mit Anstiegen von über 400 Metern am Stück und auch mal auf allen vieren, und daß mit bis zu 26kg Gepäck

 

 

21.-26.06.2016, Bretagne (Parque Armorique). Die erste Tour mit Unterstützung von zwei Packeseln. Verringert zwar deutlich das selbst zu tragende Gepäck, verlangsamt aber den Marsch durch Auf- und Abpacken und unterschiedliche Laufgeschwindigkeiten der Tiere. Extremer Aufwand, weil ein Tier keine Brücken passieren konnte und immer einer von uns durchs Wasser mußte. Einmal versank ein Tier bis zum Bauch im Morast.