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Ortsnachweisen und Sagen südlich Offenbach/Main (Dietzenbach bis Groß-Umstadt)

aktualisiert 16.02.2011

Im November 1799 floh der nun 20Jährige - nach seinem Ausbrauch aus dem Turm zu Simmern (Hunsrück) - über den Rhein und gelangte zum Breitwieser Hof bei Groß-Umstadt. Durch die ideale Lage in der Nähe zahlreicher Grenzen zu kleinen Herrschaftsgebieten wählte der Räuber in den kommenden zweieinhalb Jahren mehrfach seinen Aufenthalt in den umliegenden Ortschaften. Zuletzt war er Ende April 1802 in Semd zu Gast. Einen Monat später wurde er an der Lahn festgenommen und über Frankfurt nach Mainz gebracht, wo man ihn im November 1803 hinrichtete.

 

 

1-(SAGE) In der Nähe des Patershäuser Hofes bei Dietzenbach sollen eines Tages Leute des Schinderhannes fahrende Musikanten gezwungen haben, aufzuspielen und versucht haben, von ihnen Geld zu erpressen. Jedoch soll Schinderhannes dazwischen gekommen sein: Er habe sich einige Tänze spielen lassen und habe die Musikanten dann unbehelligt ziehen lassen.

- 2 (TATSACHE) Nach dem Überfall auf die Kaiserliche Oberposthalterei in Würges bei Bad Camberg in der Nacht zum 11. Januar 1801 (Tat Nr. 93) hatten sich Schinderhannes und sein Kumpan Christian Reinhard in Urberach getroffen, wobei Reinhard dem Schinderhannes einige Louis d'or im Spiel abgewinnen konnte.

- 3 (TATSACHE) Nach dem Überfall auf den Juden Abraham in Södel in der Wetterau (Tat Nr. 119) Anfang des Jahres 1802 geschah die Teilung der Beute bei einem Branntweinbrenner in Münster. Es war üblich, nach Überfällen möglichst weit zu fliehen, um nicht in die Hände von Patrouillen zu geraten. (SAGE) Der Sage nach soll einer seiner Leute dem Pfarrer Blau mal Wäsche von der Leine gestohlen haben, woraufhin Schinderhannes diesen verstieß.

- 4 (TATSACHE) Unmittelbar nach einem Raubüberfall auf eine jüdische Familie in Erbes-Büdesheim (Tat Nr. 115) am 31.10.1801 fand sich Schinderhannes bei Schumacher Ritter in Groß-Zimmern ein. Einer seiner Kumpane, Georg Friedrich Schulz, wollte sich - so seine Aussage später - von Schinderhannes lösen, woraufhin dieser ihn schwer mißhandelte.

- 5 (TATSACHE) Semd war "öfters" der Aufenthaltsort des Schinderhannes. Gewöhnlich übernachtete er bei Georg Seibert oder dem Sohn des Schultheißen, Nikolaus Georg, wie auch bei Balthasar Ohl oder bei Bauer Knell. Nicht selten war er im Gasthaus "Zum Engel" zu Gast.

- 6 (TATSACHE) Der Breitwieser Hof war zu dieser Zeit ein Aufenthaltsort für zahlreiches zwielichtiges Gesindel. Er war auch Schinderhannes' erster Anlaufpunkt nach seiner Flucht von der anderen Rheinseite, November 1799.

- 7 (TATSACHE) Der Jude Feist aus Habitzheim trieb gewöhnlich seine Taten unter dem Namen des Schinderhannes, woraufhin dieser ihn an die Behörden verriet:

- 8 (TATSACHE) Feists Festnahme geschah, nachdem Schinderhannes einen Brief an das Wachthaus in Groß-Umstadt heftete und die Behörden auf Feist aufmerksam machte.

Es sind auch mündliche Überlieferungen in dieser Region zu Schinderhannes bekannt, z.B. wo er übernachtet hatte. Als überregional gesuchter Schwerverbrecher hat er jedoch vermieden, seine wahre Identität offenzulegen. Es ist deshalb eher unwahrscheinlich, daß die Geschichten auf wahren Tatsachen beruhen. Die oben gemachten Angaben (2-8) beruhen auf seinen Aussagen im Mainzer Ermittlungsverfahren, Juni 1802 bis März 1803.

Auch sogenannte Wandersagen sind hier nicht verzeichnet: So heißt es in Seligenstadt-Stockhausen, Schinderhannes sei in eine Gastwirtschaft eingekehrt, als zwei Gendarmen ebenfalls dort zu Gast waren. Der Räuber habe später die Pferde der Gendarmen gestohlen. Diese Geschichte wird in verschiedenen Nuancen in etwas zehn Orten in Wetterau, Frankfurt-OT und Hunsrück erzählt (siehe Kapitel "Überblick über die Schinderhannes-Sagen" in: Schinderhannes, Nichtsnutz... (2010)

 

 

 

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