Häufige Fragen

 

1.)Wo steht das Skelett des Schinderhannes? Im Universitätsklinikum Heidelberg werden zwei Skelette ausgestellt, die mit den Namen Schinderhannes und Schwarzer Jonas bezeichnet werden. Tatsächlich gibt es aber keinen Beweis der Echtheit. Es existiert lediglich ein Brief, in dem der Bruder des Mediziners Ackermann (einer der Teilnehmer an den medizinischen Versuchen an den Leichen des Schinderhannes und der mit diesem hingerichteten Mittäter) mehrere Jahre nach dessen Tod diese angeblichen Skelette der Universität Heidelberg zum Kauf anbietet. Merkwürdig ist, daß Ackermann in seiner umfangreichen Korrespondenz und seinen zahlreichen Veröffentlichungen selbst nie auf diese Skelette zu sprechen kommt, obwohl er ein sehr mitteilsamer Charakter war. Insofern spricht dieses starke Indiz dafür, daß sein Bruder nur "irgendwelche" Skelette teuer an die Universität verkaufen wollte. Die mir bekannten zwei Nachfahren des Schinderhannes sowie die hinzugezogenen Anthropologen und Mediziner möchten aus ethischen Gründen keine genetischen Untersuchungen oder Gesichtsrekonstruktionen vornehmen lassen. Die Nachfahren bitten dringend darum, die Totenruhe zu wahren. Sensationsheischende Hobbyhistoriker, wie Herr R. Th. aus R., versuchen seit mehreren Jahren ohne Rücksicht auf diese Bitte, Untersuchungen vornehmen zu lassen.

2.) Wann wurde Schinderhannes geboren ?
Definitiv im Herbst 1779 nach Auswertung aller heute bekannten Quellen. Anderslautenden Veröffentlichungen (z.B. von Gensicke 1968, 1972, Nacken 1961, 1968, Petto 1973), die Schinderhannes’ Geburt auf 1777 oder 1783 setzten, lagen noch nicht so weitgehende Recherchen zugrunde.

Auf den Tag genau ist das Geburtsdatum jedoch nicht bekannt, da ein Kirchenbucheintrag bislang nicht gefunden wurde (und vermutlich aufgrund der jahrzehntelangen Recherche der Forscher Petto, Grünewald und Gensicke vermutlich nicht mehr gefunden wird). Sollte Schinderhannes tatsächlich in Miehlen bei Nastätten geboren worden sein (allerdings sprechen einige Quellen dagegen), so fehlt es dort an einem Kirchenbucheintrag, weil der Pfarrer über sechs Jahre hinweg seine Eintragungen auf lose Zettel gemacht hatte, die er später nicht mehr in das Kirchenbuch eingefügt hat, eine durchaus gängige Praxis.

Möglicherweise ist Schinderhannes aber im nahegelegenen Weidenbach geboren, wo das dortige Kirchenbuch verlorenging, oder er ist katholisch getauft worden (was nicht unüblich war; auch einige Geschwister von ihm sind katholisch getauft, außerdem verlangte er vor seiner Exekution einen katholischen Pfarrer).

3.) Wo ist er geboren ?
Es sprechen gleichstarke Gründe dafür, daß er in Miehlen oder in Weidenbach (beide bei Nastätten im Taunus) geboren ist. Da aber keine Geburtsurkunde vorliegt, kommen auch andere Orte in Betracht. Bei seiner Gefangennahme in Schneppenbach im Februar 1799 notiert die Gendarmerie sogar, daß er aus der Umgebung von Bonn stammt.

4.) Gibt es direkte Nachfahren von ihm ?
Ja. Mir sind zwei aus unterschiedlichen Linien bekannt (einmal aus der Liaison mit Julchen, einmal aus einer Liaison mit einem jüdischen Dienstmädchen). Die heutigen Nachfahren treten aber nicht an die Öffentlichkeit, vor allem aus dem Grund, da es sich bei ihrem Vorfahr um einen brutalen Serienstraftäter und Totschläger gehandelt hat.
Im übrigen gibt es einige Nachfahren aus der Linie einer Schwester, eines Onkels, eines Vetters und aus der späteren Ehe seiner Geliebten, Julie Blasius.

5.) Wieviele Personen hat er umgebracht bzw. wie oft war er an Mord/Totschlag beteiligt ?
Eine Zahl kann nach den heute vorliegenden Dokumenten aus juristischer Sicht nicht genannt werden, vermutlich sind es vier Personen. Sein Tatbeitrag am Tod des Plackenklos, des Juden Seligmann, des Kurmainzer Korporals in Kleinrohrheim und des Juden Löb aus Sötern, kann wegen fehlender Dokumente nicht vollständig ermittelt werden. Laut Endurteil und unter Berücksichtigung des französischen Rechts dieser Zeit war er nach Auffassung der Richter zumindest Helfer bei einem vorsätzlichen Totschlag (mit Wissen und Willen). Dies reichte aus, ihn als „Assassin“ zu bezeichnen. Die heutige Übersetzung als „Mörder“ ist jedoch unzutreffend.

6.) Wieviele Geliebte hatte er ?
Der Sage nach neun, nachweislich vier (Elise Werner, Ami Schäfer, Catharina Pfeiffer, Margarethe und Julchen Blasius).

7. ) Wie weit reichen seine Straftaten ?
Nach seinen Worten von Södel (Wetterau) im Norden bis Bayerthal (Odenwald) im Süden. Nach sehr glaubhafter Quelle des Räuberjägers Keil im Norden bis Fahr (nördlich Neuwied). Nach einem weiteren, ebenfalls glaubhaften historischen Dokument fand ein Raub auch im Süden bei Kehl am Rhein statt. Das Opfer, eine englische Touristin, traf er einige Zeit darauf in Köln wieder.

8.)  Gab es eine Schinderhannes“bande“?

Nein ! Der Begriff wurde allerdings damals (und heute noch) wahllos benutzt. Von einer Bandentätigkeit mit Bückler als Anführer kann man nach der heutigen Begriffsbestimmung nicht sprechen (damals gab es keine Definition, der Begriff unterschied sich aber wohl nicht vom heutigen). Danach ist eine Bande eine Gruppe von – mindestens drei – Personen, die sich ausdrücklich oder stillschweigend zur Verübung fortgesetzter, im Einzelnen noch ungewisser Diebes- oder Raubtaten verbunden hat. Bei den Straftaten, an denen Bückler mitwirkte, ist ein innerer Zusammenschluß der beteiligten Personen, der über die jeweils geplante Tat hinausging, nur in Ausnahmen erkennbar.
Hier kann man noch differenzieren: Bis zu seiner Inhaftierung in Simmern 1799 war der junge Bückler eine Zeitlang dem erfahreneren Dieb Niklas Nagel, später dem Roten Fink gefolgt. Zwei Personen stellen jedoch noch keine Bande dar. Auch von einer Anführerschaft Bücklers kann hier keine Rede sein. Nach seiner Flucht aus Simmern geht er zwar zu Raubüberfällen mit mehreren Personen über, diese wechselten aber meist von Tat zu Tat. „Auch könne er sie nicht seine Bande nennen, denn der Zufall hätte sie so zusammen geführt, und einer so viel gegolten, wie der andere“, so Bückler in einem Verhör, verschwieg dabei aber, daß er einige Male ihm bekannte Spießgesellen eingeladen hatte, um auf einen Einbruch auszuziehen (so zum Beispiel in den Fällen Obermoschel, Waldgrehweiler und Laufersweiler). Oft standen ihm jedoch keine Bekannten zur Verfügung, so daß er wahllos Unbekannte zu Überfällen einlud: „Hans (...) schickte (umher), alle Strolchen, Abentheurer und Glüksjäger aus der Nachbarschaft zu sammeln.“ Lediglich 15 der 93 namentlich bekannten Mittäter begingen gemeinsam mit ihm mehr als sechs Straftaten, viele davon verteilt über mehrere Jahre (siehe Scheibe 2009, S.194 f., Tab.13). In dem Maße, wie sein Name bekannt wurde, wuchs jedoch auch die Akzeptanz der Räuber, ihn als Anführer zu anzuerkennen. Allerdings „galt die Stimmenmehrheit“, so daß oftmals der lauteste unter ihnen, offenbar nicht der wohl meist besonnenere Schinderhannes, die Führerschaft übernahm.

9.) Handelte Schinderhannes wie ein Robin Hood, wie ein Wohltäter ?
Nein. Allerdings spendierte er oft in den Hinterzimmern von Wirtshäusern den Tagelöhnern die Runden. Die Anerkennung dieser Leute bereitete ihm sichtlich Vergnügen. Einem Bauern verschafft er ein gestohlenes Pferd wieder (allerdings stahl er umgekehrt mehr als hundert Pferde). Die von ihm bei Schloßböckelheim überfallene Gruppe von Betteljuden erhielt ihre wenigen Habseligkeiten nur deshalb teilweise wieder, weil sie für ihn ohne Interesse waren. Es ist also weit übertrieben, ihn zu einem Robin Hood zu machen.

10.) War er brutal ? Ja. Drei Beispiele dazu: a) So trampelte er auf dem am Boden liegenden Plackenklos solange herum, bis er ihm sämtliche Knochen zerbrochen hatte (dieser Vorgang wurde gerichtlich nicht geahndet) b) Gerichtspräsident Rebmann bezeichnete ihn nach Abschluß der Hauptverhandlung als "allerämsigsten", wenn es um Brutalität ging. Beispielsweise hatte er Elisabeth Frick aus Merxheim solange ein brennendes Licht unter die Achsel gehalten, bis sich eine tiefe, schmerzhafte Wunde gebildet hatte. Darüberhinaus hatte er ihr Nachthemd angezündet. c) In einem anderen (allerdings nicht bewiesenen) Fall hatte Schinderhannes einem Juden hunderte Schuhnägel ins Hinterteil geschlagen und ihn nackend nach Hause gehen lassen. Sein tiefer Haß gegen viele Juden läßt vermuten, daß er nicht nur psychische Gewalt (nach gewiesen viele Fälle von Erpressung), sondern auch physische Gewalt angewendet hat.